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Aktuelles

16.09.2021

Wie geht man mit dem Risiko Hochwasser um?

Vortrag von MdL Alfons Brandl in Marktsteft

MdL Alfons Brandl bei seinem Vortrag in Marktsteft

Zu einer Diskussion unter dem Titel „Leben an und mit dem Wasser“ hat die CSU in den Alten Hafen in Marktsteft eingeladen. Ein brandaktuelles Thema angesichts der Hochwasser-Ereignisse der letzten Wochen. CSU-Ortsvorsitzender Dieter Haag konnte dazu die Bundestagsabgeordnete Anja Weisgerber sowie die beiden Landtagsabgeordneten Barbara Becker und Alfons Brandl begrüßen. Brandl war vor seinem Einzug in den Bayerischen Landtag Bürgermeister der Stadt Herrieden und hat dort ein kommunales Risikomanagement für Sturzfluten etabliert.

Die Fluten in Teilen Deutschlands zeigen, dass der Klimawandel längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist“, machte Anja Weisgerber zu Beginn deutlich. Bereits Ende 2019 hat die Bundesregierung ein umfassendes Klimapaket beschlossen und damit eine gute Basis gelegt. „Auf dieser Basis wollen wir noch einen Zahn zulegen und weitere Reformen anstreben, um das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 zu erreichen“, so Weisgerber weiter. Ihr ist es wichtig dabei auf Anreize statt auf Verbote zu setzen und die Auswirkungen auf die Wirtschaft und die soziale Frage nicht aus dem Blick zu verlieren.

 

Gleichzeitig sei aber auch die Anpassung an den Klimawandel eine Daueraufgabe. Über die Deutsche Anpassungsstrategie  können Kommunen bereits heute Fördermittel zur Anpassung an den Klimawandel und damit auch für den Hochwasserschutz beantragen. Zudem hat im Juli das bundesweite Zentrum „Klimaanpassung“ seine Arbeit aufgenommen. Dieses gibt Kommunen konkrete Beratung zur Planung, Förderung und Umsetzung von Maßnahmen.

 

„Die Stadtplanung muss künftig noch mehr auf Starkregen ausgerichtet werden“, forderte Weisgerber. Ein Ziel der Union sei zudem, der Natur künftig ausreichend Raum zu überlassen. Kleine Bäche und Auen möchte man dabei gezielt in den Blick nehmen. Über ein Bundesprogramm sollen künftig gezielt Anreize für die Renaturierung und den Hochwasserschutz gesetzt werden. Außerdem fordert die CSU einen Hochwasser-TÜV für ganz Deutschland.

 

Einen Lösungsansatz, wie man mit dem Hochwasser- und Sturzflutenrisiko umgeht, zeigte der Landtagsabgeordnete Alfons Brandl. Er war bis 2020 Bürgermeister der 8000-Einwohner-Stadt Herrieden in Mittelfranken. Dort hat er mit Hilfe von Wissenschaftlern ein Sturzflutmanagement etabliert, mit dem die Bürgerinnen und Bürger parzellengenau beraten werden können, welche Risiken auf ihren Grundstücken liegen und wie sie sich schützen können.

 

Initialzündung für das Projekt war eine Sturzflut 2016 und die geplante Erweiterung der örtlichen Möbelfabrik. Mit finanzieller Unterstützung durch den Freistaat wurde ein System aufgebaut, das aktuelle Wetterdaten und Pegelstände mit einem digitalen Geländemodell der Kommune in Echtzeit kombiniert. Regensensoren überwachen für jedes Einzugsgebiet den Niederschlag und Pegelsensoren messen den Wasserstand in den Flüssen und Bächen der Stadt. Bei Erreichen kritischer Niederschläge oder Pegelmeldestufen warnt das System Rettungskräfte, Verwaltung und angemeldete Bürger per Handy und Voice-Call, erklärte Brandl. „Mit dem System können wir das Risiko besser einschätzen und es beruhigt auch.“

 

Mit dem System können auch Regenereignisse simuliert werden. Die Erkenntnisse daraus stehen der Kommune und Bürger als Grundlage für Planung und Bau von Schutzmaßnahmen zur Verfügung. „Für jedes Grundstück können wir einen Starkregen-Risiko-Steckbrief erstellen und die Bauherren damit gezielt beraten“, so der frühere Bürgermeister. Seit vier Jahren sei das System in Betrieb. „Es arbeitet in Echtzeit, voll digital und kann im Notfall Leben retten“, zieht Brandl ein positives Fazit. 

 

Zwischenzeitlich wurde ein solches Risikomanagement auch in der von Hochwasser immer wieder heimgesuchten Stadt Passau erfolgreich etabliert. Erst jüngst war dies erfolgreich im Einsatz. Anwohner konnte bei einem Starkregenereignis gewarnt werden, bevor die ersten Keller vollgelaufen sind, so Brandl: „Im Notfall kann man gute 90 Minuten gewinnen und in dieser Zeit noch einiges schaffen.“

 

Auch Barbara Becker war von der Vorstellung des Systems sehr beeindruckt: „Es ist ein tolles Beispiel, wie wir mit Hilfe der Digitalisierung Gefahren besser einschätzen und vor allem früher warnen können“, so die Landtagsabgeordnete. Die Starkregen-Gefahrenkarte kostete der Stadt Herrieden mit ihren rund 80 Quadratkilometern rund 150.000 Euro und wurde mit 65 Prozent vom Freistaat gefördert.